In diesem Artikel soll der Leser darauf aufmerksam gemacht werden, wie wir mit unseren insbesondere „unschönen“ Gefühlen umgehen können und damit gleichzeitig Beziehungen stärken. Ob es um eine Arbeitsbeziehung geht oder die Beziehung zu Verwandten, der Tochter, dem Vater, der Mutter oder dem Ehepartner – das Prinzip bleibt gleich. Hinter dem Prinzip der gewaltfreien Kommunikation von Marshall B. Rosenberg soll eine gewisse Haltung vermittelt werden, die es ermöglichen kann, die Theorie in der Praxis zu leben.

Über den Erfinder der gewaltfreien Kommunikation Marshall B. Rosenberg
„Wenn wir unsere Bedürfnisse nicht ernst nehmen, tun es andere auch nicht. Deine Gegenwart ist das wertvollste Geschenk, das du einem anderen menschlichen Wesen machen kannst. Depression ist die Belohnung fürs Bravsein.“
Marshall B. Rosenberg
Aufgewachsen in prekären Verhältnissen in Detroit gegen Ende des 2. Weltkriegs erfährt Rosenberg regelmäßig Gewalt in verschiedenen Formen. Auch sein Vater scheinte wenig Empathie für seinen Sohn zu haben, weshalb er ihn auch „Stone Face“ nannte.
Die Mutter war eine extrovertierte Kartenspielerin und Profi-Bowlerin, die ihren Jungen dazu anhielt, bei Konflikten erbarmungslos zurückzuschlagen. Marshall Rosenberg verlegte sich auf eine Doppelstrategie. Innerhalb der Familie machte er sich unsichtbar. In der Schule und auf der Straße entwickelte er sich zu einem gefürchteten Raufbold. Gewaltfreie Kommunikation ist auf jeden Konflikt anwendbar.
Auch die weitere Geschichte ist von zahlreichen Hürden, Schmerz und Gewalt geprägt, worauf ich in diesem Artikel nicht weiter eingehen möchte.
Heute kennt man Marshall B. Rosenberg als Erfinder der gewaltfreien Kommunikation, die auf der gesamten Welt, insbesondere in spannungsreichen Regionen wie Israel angenommen wird.
Die gewaltfreie Kommunikation beruht auf vier wesentlichen iterativen Schritten (vgl. Rosenberg, 2016):
1. Die Beobachtung
Angenommen eine Person hat sich Ihnen gegenüber respektlos verhalten, möchte die Grenzen testen oder einfach nur aufgestaute Wut oder Stress ablassen. Die Person befiehlt Ihnen dies oder jenes zu tun, beschimpft Sie oder überschreitet auch körperliche Grenzen. In dem entsprechenden Moment sind wir oft überwältigt mit der Situation. Sobald wir es schaffen die nötige Distanz zu finden, können wir das Geschehen wie einen Film möglichst nüchtern vor unserem inneren Auge ablaufen lassen.
2. Das Gefühl
Je nachdem, wie die Situation ablief und wie wir die Welt wahrnehmen, kommen Gefühle auf, die dadurch entstehen, dass ein Bedürfnis erfüllt wurde oder eben nicht. Oft ist in Konfliktsituationen ein Bedürfnis nicht ausreichend erfüllt. Zur Veranschaulichung gibt es einige einfache von Vera F. Birkenbihl inspirierte Kreismodelle, die alle „bekannten“ Gefühle visuell in Kategorien darstellen. Dies erleichtert den Prozess des Klarwerdens über die Situation. Insbesondere Wut ist so ein Gefühl, das meist so dominant ist und etwas Dahinterliegendes überschattet oder übertönt. Eine gesunde Streitkultur kann durch Gewaltfreie Kommunikation aufgewertet werden.
3. Das Bedürfnis
Das Bedürfnis ist die Ursache hinter den entsprechenden Gefühlen. Was bedarf, ich ist die entsprechende Frage dazu. Auch hier gibt es hilfreiche Übersichten über verschiedenste Bedürfnisse im Netz. Sobald Sie im Coaching oder in der Selbstreflexion das mit dem Gefühl verbundene Bedürfnis erkannt haben, haben Sie einen wesentlichen Schritt erfüllt. Sie haben sich selbst Klarheit geschaffen und können dadurch zum vierten und letzten Schritt übergehen. Gewaltfreie Kommunikation ist nicht nur ein Trend.
4. Die Bitte
Die Bitte ist eine konkrete Formulierung, wie Sie die Situation oder den Konflikt in Zukunft lösen möchten. Dazu gehört eine klare Ich-Botschaft zu dem Gegenüber, der mit der Situation verwickelt ist. Eine Formulierung kann etwa sein: „Lieber Peter, ich habe gestern am Ende unseres Teammeetings beobachtet, dass du mich vor dem gesamten Team als ‚Besserwisserin‘ bezeichnet hast. Das hat mich sehr wütend gemacht und ich war bedrückt, weil mein Bedürfnis nach Anerkennung und Respekt nicht ausreichend erfüllt worden ist. Ich bitte dich, dass du mir derartige Bemerkungen in Zukunft persönlich sagst und an einem Beispiel festmachst, damit ich daraus lernen kann.“
Im Coaching kann ein klärendes Gespräch vorbereitet werden, indem man die einzelnen 4 Schritte reflektiert und erarbeitet. Selbstverständlich kann das jeder auch für sich machen, sofern das Prinzip Verstanden ist und die notwendige Reflexionsfähigkeit vorhanden. Manchmal macht Coaching auch keinen Sinn, lesen Sie dazu hier unseren Artikel.
Erst nach der Selbstreflexion kann das Szenario entweder spielerisch im Coaching geübt oder auch der entsprechenden Person mitgeteilt werden.
Für das Gespräch mit beiden Betroffenen ist das Setting essenziell und auch die Bereitschaft des Gegenübers, wann und wie er oder sie dazu bereit ist, den Austausch zu suchen! Sobald Sie dieses Prinzip einige Zeit geübt haben, werden Sie die nahezu grenzenlosen Möglichkeiten dahinter erkennen. Lassen Sie uns über gewaltfreie Kommunikation reden.
Ein weiterer Schritt kann dann sein, zuerst dem Gegenüber die Empathie zu geben, bevor man beginnt seine eigenen Punkte zu kommunizieren. Das muss nicht sofort in Anwesenheit der Person sein, sondern kann von zu Hause beim Coaching oder auch beim Spaziergang passieren, indem Sie einfach an die Person denken, sich in die Situation hineinversetzen und wahrnehmen, was das mit Ihnen macht. Lesen Sie auch unseren Artikel über provokantes Co-Branding.
Wir hoffen, diese Kurzfassung hilft Ihnen bei der Kommunikation. Wenn Sie tiefer einsteigen möchten, sind wir, Ihr Coaching Institut, gerne für Sie da! Haben Sie schon einmal über Führungskräfte Coaching nachgedacht? Wir haben Ihnen einen Führungsguide in diesem Artikel zusammengestellt.
Quellen:
Praxistipps: So holen Sie das Maximum aus Ihrem Coaching
Der Erfolg eines Coaching-Prozesses hängt maßgeblich von Ihrer eigenen Bereitschaft und Vorbereitung ab. Bevor Sie in ein Coaching starten, sollten Sie sich Zeit nehmen, Ihre Ziele klar zu formulieren. Was genau möchten Sie verändern? Welche konkreten Ergebnisse erwarten Sie? Je präziser Ihre Zielvorstellung, desto fokussierter kann der Coaching-Prozess gestaltet werden.
Zwischen den einzelnen Sitzungen ist es wichtig, die erarbeiteten Erkenntnisse aktiv in den Alltag zu integrieren. Führen Sie ein Coaching-Tagebuch, in dem Sie Ihre Fortschritte, Herausforderungen und Aha-Momente festhalten. Diese Reflexion verstärkt den Transfereffekt und macht Ihre persönliche Entwicklung sichtbar. Viele unserer Klienten berichten, dass gerade die Zeit zwischen den Sitzungen entscheidend für nachhaltige Veränderungen ist.
Seien Sie offen für neue Perspektiven und bereit, gewohnte Denkmuster zu hinterfragen. Ein guter Coach fordert Sie heraus, ohne Sie zu überfordern. Vertrauen Sie dem Prozess, auch wenn einzelne Schritte zunächst ungewohnt erscheinen. Die besten Ergebnisse entstehen, wenn Sie sich auf die Zusammenarbeit einlassen und aktiv mitgestalten. In unserer Erfahrung am Ihr Coaching Institut in Frankfurt zeigt sich: Klienten, die diese Grundhaltung mitbringen, erreichen ihre Ziele deutlich schneller und nachhaltiger.
Fazit
Gewaltfreie Kommunikation ist kein Thema, das sich auf eine einfache Formel reduzieren lässt. Die wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Artikel:
- Professionelle Begleitung macht den Unterschied: Ob im Business- oder persönlichen Kontext — ein erfahrener Coach beschleunigt Entwicklungsprozesse messbar.
- Individuelle Passung zählt: Es gibt keine Einheitslösung. Die richtige Methode und der richtige Coach entscheiden über den Erfolg.
- Handeln Sie jetzt: Wissen allein verändert nichts. Der erste Schritt ist immer das wichtigste — und oft das schwierigste.
Wenn Sie bereit sind, den nächsten Schritt zu gehen, stehen wir Ihnen als erfahrene Sparringspartner zur Seite. Ein unverbindliches Erstgespräch klärt, ob und wie wir Sie unterstützen können.
Wissenschaftliche Grundlagen und Wirksamkeit
Die Wirksamkeit von Coaching ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt. Eine Meta-Analyse der International Coach Federation zeigt, dass 80 Prozent der gecoachten Personen eine signifikante Verbesserung ihrer Selbstwirksamkeit erleben. Weitere Studien belegen positive Effekte auf Stressreduktion, Entscheidungsqualität und zwischenmenschliche Kommunikation.
Besonders im Bereich der Führungskräfteentwicklung liefert die Forschung beeindruckende Ergebnisse. Eine Studie der Manchester Consulting Group ergab einen durchschnittlichen Return on Investment von 5,7-fachem des eingesetzten Coaching-Budgets. Die Verbesserungen zeigten sich in gesteigerter Produktivität, höherer Mitarbeiterzufriedenheit und verbesserten Arbeitsbeziehungen.
Neurobiologische Forschung erklärt, warum Coaching so effektiv ist: Durch gezielte Reflexion und neue Handlungserfahrungen werden im Gehirn neue neuronale Verbindungen gebildet. Dieser als Neuroplastizität bekannte Prozess ermöglicht nachhaltige Verhaltensänderungen. Am Ihr Coaching Institut arbeiten wir ausschließlich mit evidenzbasierten Methoden, die diese wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis umsetzen. Unsere zertifizierten Coaches verbinden fundiertes Fachwissen mit langjähriger praktischer Erfahrung.
Was ist Gewaltfreie Kommunikation und wie funktioniert sie?
Gewaltfreie Kommunikation ist eine von Marshall B. Rosenberg entwickelte Kommunikationsmethode. Die Methode besteht aus vier Schritten: Beobachtung, Emotion, Bedürfnis und Bitte. Durch die Anwendung dieser Schritte sollen Konflikte und Missverständnisse vermieden und eine klare und einfühlsame Kommunikation erreicht werden. Ziel der Gewaltfreien Kommunikation ist es, eine Verbindung zwischen den Gesprächspartnern herzustellen und eine offene, wertschätzende und respektvolle Kommunikation zu fördern.
Wie kann Gewaltfreie Kommunikation im Alltag angewendet werden?
Gewaltfreie Kommunikation kann im Alltag vielfältig eingesetzt werden, z. B. um Konflikte zu lösen, Kompromisse auszuhandeln oder Bedürfnisse und Wünsche mitzuteilen. Wichtig ist, aufmerksam und einfühlsam zuzuhören, die eigenen Bedürfnisse und Gefühle in den Mittelpunkt zu stellen und eine offene und respektvolle Haltung einzunehmen. Durch eine klare und wertschätzende Kommunikation können Missverständnisse vermieden und eine konstruktive Zusammenarbeit erreicht werden.
Wie kann man Gewaltfreie Kommunikation erlernen und trainieren?
Gewaltfreie Kommunikation kann durch Training und Übung erlernt und trainiert werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Gewaltfreie Kommunikation zu erlernen, z. B. Workshops, Seminare, Bücher oder Online-Kurse. Es ist wichtig, die Methoden und Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation zu verstehen und praktische Erfahrungen durch Rollenspiele und Übungen zu sammeln. Die regelmäßige Anwendung und Reflexion der Gewaltfreien Kommunikation im Alltag kann dazu beitragen, die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern und Konflikte und Missverständnisse effektiver zu lösen.
Wie lange dauert ein typischer Coaching-Prozess?
Ein typischer Coaching-Prozess umfasst 8–12 Sitzungen über einen Zeitraum von 3–6 Monaten. Die genaue Dauer hängt von der individuellen Zielsetzung und dem Fortschritt ab. Erste Ergebnisse zeigen sich oft bereits nach 2–3 Sitzungen.
Woran erkenne ich einen seriösen Coach?
Achten Sie auf anerkannte Zertifizierungen (ICF, DBVC, DCV), eine fundierte Ausbildung, nachweisbare Berufserfahrung und transparente Methoden. Ein seriöser Coach bietet ein unverbindliches Erstgespräch und arbeitet mit klaren Vereinbarungen.
Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Therapie?
Coaching ist zukunftsorientiert und fokussiert auf Zielerreichung und Potenzialentfaltung. Therapie behandelt hingegen psychische Erkrankungen und arbeitet vergangenheitsbezogen. Coaching richtet sich an gesunde Menschen, die sich weiterentwickeln möchten.
Kann Coaching auch online stattfinden?
Ja, Online-Coaching ist genauso wirksam wie Präsenz-Coaching. Studien belegen, dass die Coaching-Ergebnisse unabhängig vom Format vergleichbar sind. Online-Coaching bietet zudem Flexibilität und Zeitersparnis.
Wollen Sie durch den Einsatz von Coaching auch in Ihrem Unternehmen profitieren?
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Rosenberg, M. B. (2016). Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens. Junfermann Verlag GmbH.
Sofatutor GmbH (2022, 30. Juli). Das Aufsatz-Rad zu Gefühlen. https://magazin.sofatutor.com/wp-content/uploads/sites/3/2016/11/Aufsatz-Rad-zu-Gefuehlen.pdf
Über den Autor
Tim S. Tabrizi ist Gründer und Geschäftsführer des Ihr Coaching Instituts (Frankfurt). Zertifizierter Executive Coach (ICF, DBVC) mit über 15 Jahren Erfahrung. 35 Coaches in ganz Deutschland. LinkedIn-Profil | Ihr Coaching Institut auf LinkedIn | Autorenseite →
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