Outsourcing – Aspekte nach der Zeitenwende

Analyse neuer Rahmenbedingungen

Outsourcing. Die Produktentwicklung von Medizinprodukten unter Berücksichtigung von regulatorischen Anforderungen stellt Unternehmen vor besondere Herausforderungen, insbesondere in Zeiten von hoher Inflation, Problemen mit Lieferketten und wachsenden Handelsbarrieren. Outsourcing und Insourcing sind zwei Möglichkeiten, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Beide weisen spezifischen Vor- und Nachteilen und auch Risiken auf. Ich möchte im Folgenden auf nur einige ausgesuchte Felder eingehen, die vor einer Entscheidung bewertet bzw. bekannt sein sollten:

Ein Mann berechnet die Kosten für Outsourcing

Entwicklungsziele beim Outsourcing

Zentral wird immer für jedwede Betrachtung bleiben, die Kunden- und Produktanforderungen und möglicherweise auch -spezifikationen möglichst genau und vollständig zu kennen. Weiterhin sollten notwendige fachliche Kompetenzen und Abschätzungen für Kosten und Zeiten für die Entwicklung ebenso vorliegen, wie Ziele für angestrebte Stückzahlen, Märkte und Herstellkosten des späteren Produkts.

Nur auf dieser Basis kann eine geeignete Auswahl von möglichen Partnern für Entwicklung (ODM) und / oder Herstellung (OEM) erfolgen. Für die Frage, ob Outsourcings oder Insourcing, nachfolgend einige Themen und Gedanken für eine Abwägung.

Entwicklungsteam und -prozesse

Mit klaren Entwicklungszielen kann ein Outsourcing-Team/Partner schnell und kosteneffektiv sein, da es auf erfahrene und möglicherweise fehlende Fachleute aus der ganzen Welt skalierbar zugreifen kann. Outsourcing kann dazu beitragen, die Produktentwicklung zu beschleunigen und Time-to-Market zu verkürzen, Entwicklungskosten zu senken und anspruchsvolle Design-to-Cost / Design to Manufacturing Ziele zu erreichen.

Herausforderungen und Risiken bei der Kooperation über interdisziplinäre Schnittstellen sowie möglicherweise über kulturelle und sprachliche Barrieren hinweg, können dagegen mit einer Insourcing Team Aufstellung möglicherweise ebenso besser gelöst werden, wie regulatorische Anforderungen oder den Design Transfer in die Produktion. Dabei können aber selten alle Potenziale des Outsourcings erreicht werden. Insbesondere notwendige Kompetenzen im Unternehmen bei Bedarf ausreichend aufzubauen und zu stärken, gestaltet sich zunehmend schwierig und kostspielig.

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Führung und Governance

Outsourcing erfordert eine klare Führung, fest vereinbarte, regelmäßige und kompetente Governance entlang vereinbarter Meilensteine, sowie ein starkes Vertrauen in das externe Team und den externen Partner. Insourcing ermöglicht dagegen in der Regel eine engere Überwachung und oft auch ein einfacheres Einhalten notwendiger Compliance-Anforderungen. Hier ist speziell auch auf interne Ressourcen- und Budgetkonflikte zu achten.

Spezifischer Risikoelemente

Outsourcing birgt das Risiko von Kommunikationsproblemen über sprachliche und/oder kulturelle Grenzen. Damit verbunden ist oft auch das Nichterreichen von vereinbarten Zielen, sowie eine mangelnde Einhaltung von Compliance-Anforderungen. Ohne existierende reale Erfahrungen mit Outsourcing in einem Unternehmen muss in der Regel auch aktiv gegen ein „not invented here syndrome“ gearbeitet werden. Die Gestaltung des Auswahlprozesses und die Wahl des Partners sind ein zentrales Element der Risikominimierung.

Insourcing erhöht oft das Risiko von Personalproblemen bedingt durch interne Ressourcenkonflikte und erzeugt in Hochlohnländern höhere Kosten, insbesondere auch für die Herstellkosten der Produkte. Notwendige Spielräume für Flexibilität können oft nicht bereitgestellt werden und nicht selten geht auch ein frischer und innovativer Blick von „außen“ auf interne Lösungen verloren.

Fazit und Ausblick

Auch wenn Aufstellung, Prozesse und Risiken immer im Einzelfall bewertet und auch kompetent und risikobasiert abgewägt werden müssen, bleibt Outsourcing ein wesentliches und zentrales Element für das Erreichen ambitionierter Entwicklungs- und Kostenziele! Vornehmlich bei inflationär steigenden Kosten bietet es einzigartige Potenziale.

In Zeiten wachsender Handelshemmnisse benötigt es möglicherweise regionaler Anpassung von Partnerschaften (Near Shore) in offenen und rechtlich stabilen Gesellschaftsformen. Eine Abkehr von den Potenzialen des Outsourcings über immer mehr oder vollständiges Insourcing wird dem zunehmenden Kostendruck genauso wenig gerecht wie den Auswirkungen des demografischen Wandels und dem damit wachsenden Fachkräftemangel in vielen Teilen Europas!

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