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Wir Menschen streben danach eine gute Entscheidung zu treffen. Sei es beim wöchentlichen Großeinkauf oder der Frage nach der richtigen Berufs-, Partner- oder Wohnortwahl. Doch wie können wir uns sicher sein, dass wir eine gute Entscheidung treffen? Viele Fragen was eine gute Entscheidung betrifft, lassen sich mittels der sogenannten Spieltheorie vereinfacht darstellen.

Die Spieltheorie ist eine mathematische Theorie, in der Entscheidungssituationen nachgestellt werden. In der Regel gibt es mehrere Beteiligte, die miteinander interagieren. Die Spieltheorie versucht dabei das rationale Entscheidungsverhalten in sozialen Konfliktsituationen von dem vereinfachten Modell abzuleiten.

Ergebnisse neurowissenschaftlicher Entscheidungsstudien zeigen, dass der Einfluss sozialer Aspekte auf Spiele nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Wir verhalten uns, als seien wir auf wechselseitige Langzeitbeziehungen gepolt. Belohnungszentren werden aktiviert, wenn wir kooperativ und großzügig sind. Hirnarelae, die Negative Reize wie Abscheu steuern werden aktiviert, wenn wir egoistischen Verhaltensweisen begegnen.

Diese neuronalen Schaltkreise scheinen darauf programmiert, ein bestimmtes Sozialverhalten zu erzeugen und zwar:

  • Ungleichheiten möglichst zu vermeiden suchen,
  • das Prinzip der Beidseitigkeit zu fördern
  • auf Bestrafungen all jener zu drängen, die sich auf Kosten anderer einen Vorteil verschaffen

In wiederholten Spielen wird der Ruf zu einem überaus wichtigen Faktor. Handlungen mit einer kooperativen Person sind immer lohnender. Demnach wahrscheinlicherist es mit Personen bzw. Menschen zu kooperieren, die nicht im Ruf stehen, geizig oder egoistisch zu sein.

Wie unser Gehirn eine gute Entscheidung trifft

Die Neuroökonomie ist eine Disziplin, die Neurowissenschaften und Wirtschaftswissenschaften vereint. Mittels neurowissenschaftlicher Methoden werden Gehirnaktivitäten in bestimmten Entscheidungssituationen untersucht (Sanfey 2007). Die Ergebnisse dieser noch jungen und spannenden Wissenschaft liefern erhellende Aufschlüsse über menschliche Entscheidungsprozesse. Daraus resultiert folgende Erkenntnis:

Der Teil Ihres Gehirns, der die Wahrscheinlichkeit einer Entscheidung berechnet, operiert separat von dem Teil, der berechnet, wie glücklich Sie diese Entscheidung machen wird.

Beginnen wir mit dem Nutzen. Dopamin ist ein Neurotransmitter (ein biochemischer Botenstoff), der freigesetzt wird, wenn man eine Belohnung erhält oder sich in einer Phase der Vorfreude, auf eine Belohnung, befindet. Selbst Kriterien, die mit einer Belohnung verbunden sind, lösen eine Freisetzung von Dopamin aus. Neuronen, die Dopamin ausschütten, kommen in vier Hirnarealen vor:

  1. dem Nucleus accumbens
  2. der Area tegmentalis ventralis (ventral tegmental area, VTA)
  3. dem Striatum
  4. dem frontalen Cortex

Diese Areale gelten als Belohnungssystem unseres Gehirns. Alles, was uns Spaß und Freude bereitet (ob wir unsere Lieblingsmusik hören oder ein schönes Gesicht sehen), aktiviert dieses System. Diese Schaltkreise versetzen unser Gehirn in die Lage, die Umstände, die uns Freude bereitet haben, zu codieren und sich an sie zu erinnern, damit wir dieses Verhalten in der Zukunft wiederholen und die Belohnung wieder abrufen können. Sind diese Schaltkreise aktiviert, so sind, wie man auch sagen könnte, die neuronalen Signaturen für die Belohnungsverarbeitung in vollem Gange.

Egal, ob Sie eine Belohnung erhalten oder eine Entscheidung treffen, von der Sie glauben, Sie bringe Ihnen eine Belohnung, es werden immer dieselben Areale aktiviert (Breiter et al. 2001; O’Doherty et al. 2002).

Moralische Urteilsbildung – Wie wir richtig von falsch unterscheiden

1978 brachte die Philosophin Philippa Foot erstmals das folgende Gedankenexperiment zu einem moralischen Dilemma vor, das unter dem Namen „Trolley-Problem“ bekannt ist:

Eine Straßenbahn ist außer Kontrolle geraten und droht, fünf Personen zu überrollen, die von einem geisteskranken Philosophen an die Gleise gekettet wurden. Zum Glück können Sie eine Weiche umstellen, um die Straßenbahn auf ein anderes Gleis umzuleiten und so das Unglück abzuwenden. Unglücklicherweise befindet sich auch dort eine weitere Person, die an die Gleise gekettet ist. Was tun Sie? Würden Sie die Weiche umstellen oder würden Sie nichts tun? Die meisten der Befragten würden die Weiche umstellen und damit einen Menschen opfern, um fünf andere zu retten. Das erscheint ihnen richtig.

Doch betrachten wir nun die folgende Variante des Trolley-Problems, die Judith Jarvis Thomson (1985) vorbringt:

Eine außer Kontrolle geratene Straßenbahn rollt auf fünf Personen zu. Sie selbst stehen auf einer Brücke, unter der die Straßenbahn durchfährt, und können sie aufhalten, indem Sie ihr einen schweren Gegenstand in den Weg werfen. Nur leider ist weit und breit nichts zu sehen außer einem sehr dicken Mann, der direkt neben Ihnen steht – die einzige Möglichkeit, die Straßenbahn zu stoppen, ist, ihn über die Brücke auf die Gleise zu stoßen, ihn also zu töten, um fünf andere Menschenleben zu retten.

Würden Sie es tun? Was ist für Sie die richtige Entscheidung? Im Gegensatz zur Standardversion, wie sie Philippa Foot formuliert, glauben die meisten Befragten nun, dass es falsch sei, den dicken Mann von der Brücke zu stoßen – auch wenn dadurch fünf Menschenleben geopfert würden. Wie diese Problemstellungen zeigen, scheint unsere Intuition bisweilen sehr widersprüchlich, wenn es um moralische Fragen geht, die obendrein sehr starke emotionale Reaktionen in uns auslösen und weitreichende Auswirkungen auf das Leben anderer Menschen haben können.

Wozu gibt es Moral?

Moralische Fragen erregen unsere Aufmerksamkeit, bewegen nachweislich das Gehirn und lösen starke emotionale Reaktionen aus. Man sollte also meinen, dass Moral und Moralität für unser ganzes Denken, Fühlen und Handeln eine überaus wichtige Funktion erfüllt. Mit Bezug auf das Werk des französischen Philosophen und Soziologen Emile Durkheim (1858–1917) stellt Haidt heraus, dass Moral eine wichtige soziale Funktion erfüllt.

Moral bindet und stärkt

Eine moralische gute Entscheidung hat gemeinsame Normen und Werte, die Verhaltensregeln vorgeben und das Zusammenleben ordnen, verbunden mit Mitteln und Maßnahmen, Abweicher zu bestrafen und/oder Mitwirkenden Belohnungen zuteilwerden zu lassen. Nach Haidt jedoch gibt es weitere Aspekte der Moralität, die ebenso tiefe evolutionäre Wurzeln haben. Basierend auf interkulturellen Studien legen Haidt und Joseph (2008) Die Theorie der moralischen Grundlagen vor, wonach sich fünf psychologische Grundlagen für die moralische Urteilsbildung ausmachen lassen, die alle einen eigenen evolutionären Ursprung haben.

 Die fünf Säulen der Moral

  1. Fürsorge – wurzelt in emotionalen Bindungssystemen, will heißen, in der Notwendigkeit, unseren Nachwuchs zu beschützen und zu umhegen. Diese Systeme sind unentbehrlich für unsere Fähigkeit, uns in andere einfühlen und Schmerzen nachempfinden zu können.
  2. Fairness – findet sich im Prinzip der Reziprozität wider, einem Altruismus, der auf Gegenseitigkeit beruht. Diese moralische Grundlage erzeugt Gedanken der Gerechtigkeit, Rechtsgesetze und Autonomie.
  3. Loyalität (Gruppenidentifikation) – entspringt in unserer langen Geschichte als Stammesvölker, die wechselnde Koalitionen bildeten. Damit verbunden sind Tugenden wie Patriotismus und Selbstaufopferung für die Gruppe; es gilt „einer für alle, alle für einen“.
  4. Autorität – stammt aus unserer Herkunft als Primaten mit einer hierarchisch geordneten Sozialstruktur. Tugenden wie Führerschaft, Gefolgschaft, sich rechtmäßigen Autoritäten zu fügen und Traditionen zu achten sind damit verknüpft.
  5. Reinheit – wurzelt in Ekel- und Abscheugefühlen (vor verunreinigten Lebensmitteln etwa), die das menschliche Überleben sichern und vor Krankheiten schützen. Religiöse Vorstellungen und Tugenden, das Trachten, edle Pfade zu beschreiten und fleischliche Lüste zu bezähmen gehen mit dieser Säule einher.

Vom problemorientierten zum lösungsorientierten Denken

„Houston, wir haben ein Problem.“ Diesen Satz wird wohl die Mehrheit aller Leser mindestens einmal gehört haben. Wir schreiben das Jahr 1970 und die NASA hat mit Apollo 13 soeben eine weitere bemannte Expedition in den Weltraum geschickt.

Es ist die siebte bemannte Expedition und die dritte, für die eine Mondlandung geplant ist. Die Menschen sind mittlerweile ziemlich gewöhnt an diese Expeditionen, sodass kaum einer mehr die Mission vor den Fernseher verfolgt … bis ein Sauerstofftank explodiert, das Raumschiff beschädigt und die drei Astronauten in 330.000 km über der Erde einem Kampf um Leben und Tod aussetzt. Während die Astronauten in der begrenzten Zeit, die ihnen bleibt, nach Kräften um ihr Überleben kämpfen, sucht die heroische Crew im Kontrollzentrum der NASA in Houston nach Mitteln und Wegen, die Besatzung mit den an Bord verfügbaren Systemen sicher nach Hause zu bringen. Wie wir alle aus der Geschichte wissen (und aus einer großartigen Verfilmung unter der Regie von Ron Howard mit Tom Hanks in der Hauptrolle), finden sie eine Lösung und das Drama findet ein glückliches Ende.

Die Lektion, die wir aus der Katastrophe von Apollo 13 (wie auch aus den Ergebnissen aus 100 Jahren problemorientierter Forschung) ziehen, ist die:

Problemlösen heißt Suche nach Erkenntnis und Information

Diese scheinbar simple Erkenntnis hat allerdings weitreichende Folgen, nicht nur was die Verbesserung von Lösungsstrategien angeht, sondern auch im Hinblick auf automatisierte Abläufe. Wir verlassen uns heutzutage regelmäßig auf automatisierte Systeme zur Lösung unserer Probleme. Automatisierte Systeme rufen relevante Informationen aus dem Internet für uns ab, bewegen Roboterarme, die als Assistenten bei medizinischen Operationen oder im Autobau fungieren, und sie betreiben sogar Aktienhandel.

Der Weg für eine gute Entscheidung – Problemlösung in vier Phasen

Insbesondere im Jahr 1945 wurden viele neue, wissenschaftliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Problemlösung veröffentlicht. Der ungarische Mathematiker Pólya fasste Problemlöseprozesse in vier Phasen zusammen (vgl. Duncker K (1935) Zur Psychologie des produktiven Denkens. Springer, Berlin):

  1. Verstehen der Aufgabe: Machen Sie sich die wesentlichen
    Aspekte des Problems klar. Durchsuchen Sie Ihren Wissensspeicher nach verwandten Problemen.
  2. Ausdenken eines Plans: Durchsuchen Sie Ihren Wissensspeicher nach Informationen, die Ihnen lösungsrelevant
    erscheinen.
  3. Ausführen des Plans: Setzen Sie Ihre Lösungen um.
  4. Rückschau: Reflektieren Sie unter dem Aspekt „Was hätte ich besser machen können?“

Stellen Sie sich vor, Sie wollen ins Kino gehen und können Ihre Autoschlüssel nicht finden. Ihr Zielzustand, das Ziel, ist „Kino“. Ihr aktueller Zustand ist „zu Hause“. Das Problem: Sie befinden sich in einer Situation, in der Ihr Zielzustand vom Ausgangszustand abweicht. Sie versuchen daher alles Mögliche, um ins Kino zu kommen. Vielleicht rufen Sie einen Freund an, damit er Sie abholt. Oder Sie gehen zu Fuß, sofern das Wetter schön und das Kino nicht allzu weit weg ist.

In der Fachsprache der Problemlöser spricht man hier von Mittel oder Operatoren, die Sie einsetzen können, um den Unterschied zwischen Ziel- und Ausgangszustand zu verringern. Und Sie wissen, dass Ihr Problem erst dann behoben ist, wenn Ihr Ausgangszustand (im Kino sitzen) Ihrem gewünschten Zielzustand (im Kino sitzen) entspricht. Problem gelöst! Und was, wenn sich unmittelbar keine praktische Lösung für ein Problem finden lässt? Genau dann bemühen wir unsere Denk- und kreative Vorstellungskraft.

Wer eine gute Entscheidung sucht, der findet sie!

Nach Duncker kommen Denkprozesse in Gang, wenn wir mit unserer Ausgangssituation unzufrieden sind und gleichzeitig keine unmittelbare Idee für einen Lösungweg haben. Ziel dieser Denkprozesse ist es, herauszufinden, welche Mittel (oder Handlungen) wir einsetzen können, um unserem Ziel näherzukommen. Der Prozess des Problemlösens kann daher als Verkleinerung der Unterschiede zwischen dem gegebenen und dem Zielzustand beschrieben werden. Die davon abgeleitete Lösungsstrategie sieht aus wie folgt:

  1. Zielzustand analysieren
  2. Ausgangszustand analysieren
  3. Unterscheid zwischen Ausgangs- und Zielzustand erkennen
  4. Augewählte Unterschiede schrittweise reduzieren durch Teilziele

Quellen:

Breiter, H. C., Aharon, I., Kahneman, D., Dale, A., & Shizgal, P. (2001). Functional imaging of neural responses to expectancy and experience of monetary gains and losses. Neuron, 30, 619–639.

Duncker, K. (1945). On problem solving. Psychological Monographs, 58, Whole No. 270.

Haidt, J., & Joseph, C. (2008). The moral mind: How five sets of innate intuitions guide the development of many culture-specific virtues, and perhaps even modules. In P. Carruthers, S. Laurence & S. Stich (Eds.), The innate mind Volume 3: Foundations and thefuture (pp. 367–391). New York: Oxford University Press.

Sanfey, A. G. (2007). Social decision-making: Insights from game theory and neuroscience. Science, 318, 598–602.