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Jahresendmüdigkeit: Woran und wie ich dieses Jahr besonders mit den Klienten und Klientinnen gearbeitet habe

Und: Warum professionelles Coaching immer den holistischen Blick auf den Menschen braucht

Der letzte Monat des Jahres ist ein Stress-Katalysator

Der Dezember ist der Monat der schönen Traditionen, bunten Lichterketten, gemütlichen  Weihnachtsfeiern und stressigen Jahresabschlüsse. Besonders zum Jahresende erleben wir nochmal ein Feuerwerk aus großen Emotionen und rastloser Hektik, denn alles muss bis spätestens 24.12. erledigt sein.

Die Erwartungshaltung an den Job und uns als Mensch ist in dieser Zeit nochmal höher als zu jedem anderen Datum im Jahr. Dazu kommt weniger Sonnenlicht und ein grauer Himmel mit Regen, der viele Leuten zusätzlich auf’s Gemüt schlägt. „Ich bin einfach energielos“, sagte mein Klient letzte Woche, „und als Führungskraft muss ich doch ein Vorbild sein“.

Und wie bei jedem Endspurt haben viele -allein nur wegen des Wissens um diesen Endspurt und das Ziel in greifbarer Nähe- das Gefühl die allerletzten Reserven und Kräfte dafür hergeben zu müssen. Und sie tun es natürlich, oft ohne zu überlegen, wie sie ihre persönlichen Kraft- & Energietöpfe auffüllen können.

Silvester – Verheißung eines besseren neuen Jahres und Lebens

Silvester ist dann der Abschluss des Jahres und in unserer Kultur wird es mehr als Start in ein besseres neues Jahr gesehen und weniger, um retrospektiv auf das Gute im vergangenen Jahr zu gucken. „Ich freue mich, wenn dieses Jahr endlich vorbei ist“, habe ich noch so viele Menschen sagen gehört wie in 2020. Während wir also über die Jahre gelernt haben, dass uns der Dezember viel Kraft kostet, kommt dieses Jahr noch eine Pandemie dazu.

„Ich bin echt müde, aber anders als sonst“ hörte ich oft und von Klienten und Klientinnen, die Singles sind: „Es ist Horror, den ganzen Tag allein im Homeoffice zu sitzen, meine Augen tun weh von all den Zoom-Meetings und ich kann niemanden treffen“

Da haben wir dann also in der Bestandsaufnahme:

  • Jahresendstress
  • Müde von den Umständen wie erschwertes Zeitmanagement durch Homeoffice, der Einsamkeit, Mehrfach- Belastung und der Unsicherheit durch die Pandemie und
  • Zoomfatigue

Da rückten andere klassische Coachinganliegen wie Führungsthemen in der zweiten Jahreshälfte recht schnell in den Hintergrund.

Wie arbeite ich mit diesen Klienten und Klientinnen

Ich habe ein 3-Schritte-Modell entwickelt, in dem wir folgende Punkte in einer zweistündigen Session bearbeiten

  1. Akzeptanz
  2. Be Vulnerable
  3. Energy Bowl

Akzeptanz

Kennt Ihr das, wenn sich Leute aufregen, zetern und viele „Wenn und Abers“ kommen? Als Coach ist es wichtig, den Coachees den Raum zu geben, auch mal Dampf abzulassen und zu jammern. Es dient einfach der Regulierung von Erregung.

Ich vergleiche das gerne mit dem Hecheln von Hunden, dessen Grund in der Anpassung an die Außentemperatur liegt. Menschen schwitzen um runterzukühlen, Hunde hecheln.

Ist der Dampf erstmal raus hat das Gehirn wieder Kapazitäten. Ich verzichte hier auf Fragen wie „Was ist denn so schlimm an der Situation“, sondern arbeite immer an lösungsorientierten Szenarien beziehungsweise als erstes an der Haltung.

Und was dafür -und überhaupt für alle Dinge gilt, die wir nicht aktiv ändern können wie z.B eine Pandemie- ist das Annehmen der Situation. Schlichtweg: Akzeptanz

Wer ständig im Widerstand ist, verliert Unmengen an Kraft und Energie.

Widerstände finden wir im beruflichen Kontext besonders oft im Verhalten der Menschen.

Führungskräfte versuchen Mitarbeiter*innen zu ändern und irgendwie Wege zu finden, den anderen zu ändern. Doch wir können andere Menschen und deren Verhalten nicht ändern, wir können nur unser Verhalten darauf ändern.

Also: Annehmen der Situationen und Verhaltensweisen, die wir nicht ändern können

Nicht jeder empfindet dabei sofort eine Erleichterung oder kann das Umsetzen. Wie immer im Coaching-Prozess gilt auch hier: Das Bewusstsein und Wissen darüber ist der erste Schritt.

Erarbeitet mit Eurem Klienten oder Coachee einen individuellen Weg das zu üben und in die Praxis umzusetzen. Macht es spezifisch und konkret. Da bei kann ein Reflektionstagebuch oder ein einfaches Memo an sich selbst sein, in welcher Situation es schon gelungen ist und wo noch nicht

Be vulnerable

Verletzlichkeit zu zeigen war lange verpönt im Job. „Du musst hart sein“, „Du musst stark sein“ oder „Man erzählt nichts Privates“ waren ungeschriebene Gesetze der Führung.

Dabei sind laut Umfragen doch gerade das Vertrauen in die Führungskraft und die Kolleg*innen auf den oberen Plätzen zu finden, was Menschen am Arbeitsplatz wichtig ist.

Mit Mitarbeiter*innen eigene Herausforderungen, Struggles oder auch die Failures zu teilen, schafft Bindung. Es erhöht sogar das Vertrauen und verbessert die Arbeitsatmosphäre. Fehler zu unterschlagen und nicht Verantwortung dafür zu übernehmen ist nicht nur unsexy, sondern wird dadurch sogar zum Alltags- und schelchtem Rolemodelverhalten.

Gerade in diesem Jahr wurden die menschlichen Aspekte der Führung und die Soft Skills wie Emotionale Intelligenz besonders eingefordert.

In der Coachingarbeit und Persönlichekitsentwicklung ist es wertvoll, mit Euren Coachees anhand praktischer Beispiele aus deren Joballtag zu analysieren, wo sie Potenzial für Vulnerable Leadership haben. Auch das nimmt ihnen den Druck immer perfekt und unmenschlich gut sein zu müssen.

Energy Bowl

Ich habe das Modell der Energy Bowl entwickelt. Eine Schale, in der unsere Energie gesammelt wird. Die Bowl sollte immer zur Hälfte gefüllt sein. Wenn Sie leer ist, dann fühlt es sich so wie das Jahresende an: gestresst und aus dem letzten Loch pfeifend.

Wer dauerhaft mit leerer Bowl lebt, kann geradezu in ein Burn-Out steuern. Es ist wie ein Auto, das wir mit fast leerem Tank fahren. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es liegen bleibt.

Die Energy Bowl ist nichts Spirituelles, sondern ist mit der passenden Visualisierung ein handfestes Tool.

Du malst eine Schale auf das Flipchart oder virtuelle Whiteboard.

Aus dieser Schale geht Energie verloren, wenn wir anstrengende Dinge machen.

Der Klient schreibt auf die rechte Seite der Bowl all die Aufgaben, die ihn oder sie Kraft kostet wie z.B. Kündigungen, kein Sport, wenig soziale Kontakte, Mitarbeiter xy, Gespräche mit Abteilung Z … Jeder Punkt bekommt einen Pfeil der aus der Bowl nach rechts außen geht – also Energie, die aus der Schale verloren geht

Auf der linken Seite schreibt der oder die Coachee alles, was Energie gibt wie z.B.

Neue Herausforderungen, gutes Essen, Netflix, Spazieren, motivierte Kollegen, Feedback usw. Die Pfeile gehen von den Worten in die Schale

In kürzester Zeit sind alle Energiefresser- und geber identifiziert und Ihr könnt damit konkrete Actionsteps mit Zeitplan erarbeiten, um immer das Energielevel zu halten.

All diese Tipps sollten wir als Coaches auch selbst beherzigen und dann wird nicht nur das Jahresende entspannter und vor allem können wir bewusst agieren, statt nur zu reagieren.

Ich wünsche Euch viel Erfolg und Spaß in der Arbeit mit Euren Coachees.

Ich freue mich über Eure Feedback.
Ein Gastbeitrag von Daniela Fink für Ihr Coaching Institut

Daniela Fink ist seit über 10 Jahren Executive Leadership Coach, agile Trainerin und Moderatorin und zählt zu den bekanntesten Coaches in Deutschland. Mit Ihrem Team ist sie bei Konzernen, Start-Ups und mittelständischen Unternehmen aktiv.

Daniela Fink
Ludwigstr.1
50667 Köln-Innenstadt
https://www.danielafink.de
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